Traumberuf Influencer – oder doch nicht?

Michelle Hunziker (nein, nicht diese Michelle Hunziker) ist eine Designstudentin, Fotografin und Künstlerin, die ihre Sicht auf Zürich mit über zehntausend Followern teilt. Beim Kaffee am Idaplatz erzählt sie mir, was sie begeistert und warum sie sich nicht als Influencerin bezeichnen möchte.

 

 

Du studierst Vollzeit, arbeitest daneben als Social Media Managerin und sorgst täglich für neue Posts auf deinem Channel. Welche Leidenschaft steckt hinter diesem grossen Aufwand?

 

Ich mag es, meinen Alltag in Zürich und meine Leidenschaft für die Architektur zu teilen. Auch hier muss man nur aus dem Fenster blicken und man sieht pastellfarbene Hauswände mit gemütlichen Nischen, eingerahmt von blühenden Kirschbäumen. Trotzdem schauen viele Leute an solchen Kostbarkeiten vorbei. Es ist ein schönes Gefühl, andere mit Dingen zu inspirieren, die leicht übersehen werden.

 

Ab welcher Anzahl Follower kann man sich eigentlich als Influencer bezeichnen?

 

Das kommt sehr darauf an. Wenn du eine Nische hast, brauchst du viel weniger Follower um einen Einfluss zu haben, als wenn du ein allgemein beliebtes Thema wie das Reisen thematisierst. Mein Vater hat zum Beispiel ein Flair für Traktor Modelle. Es überraschte mich, wie viele Instagram User es gibt, die sich mit dem Bau von Traktoren beschäftigen. Deren Community hat ein derart spezifisches Interesse, dass es einen regen Austausch gibt. Wenn du deine Nische gefunden hast, kannst du auch schon mit vergleichsweise wenigen Follower Einfluss auf die Zielgruppen haben, die für Sponsoren interessant sind. Ich kriege zwar manchmal Aufträge, aber nicht so viele, dass ich davon leben könnte.

 

Wäre das denn dein Ziel?

 

Dafür finde ich es zu riskant. Man ist zu sehr von anderen Plattformen abhängig und muss für das Marketing unter Umständen sehr viel Geld investieren. Gerne würde ich nach dem Studium als Social Media Managerin an der Schnittstelle von Unternehmen und Influencern arbeiten oder Inhalte kreieren. Das Bloggen aufzugeben ist aber keine Option für mich, dafür macht es zu viel Spass.

 

 

 

Was sind die Herausforderungen?

 

Momentan haben auf Instagram viele User das Problem, dass die Follower-Zahl nicht mehr im gleichen Tempo wächst und die Beiträge weniger Likes bekommen. Das liegt unter anderem am Algorithmus, der dafür sorgt, dass weniger Leute deine Beiträge sehen. Um das zu ändern, musst du bezahlen. Natürlich sind auch die Fake Follower ein Problem, die durch Bots generiert werden. Diese Dienste würde ich nie benutzen, schliesslich möchte ich wissen, welche Kommentare echt sind. Pech hast du bei vielen Ghost Follower, die dir zwar folgen aber nie interagieren. Wenn es Instagram so einrichtet, dass deine Beiträge vor allem ihnen gezeigt wird, verlierst du die Aufmerksamkeit der echten Community.

 

Klingt ernüchternd. Fühlst du dich manchmal nicht wie auf dem Präsentierteller?

 

Da ich nichts sehr Privates poste, mache ich mir keine grosse Sorgen. Problematisch wird es nur, wenn du dich krank meldest und Bilder vom Urlaub teilst. (lacht) Mich hat es lange Zeit nervös gemacht, Bilder von mir selbst zu posten, da ich halt nicht aussehe wie Kylie Jenner und immer dachte «Was, wenn jetzt jemand schreibt: Wir wollen dich nicht sehen, du hässliche Kuh». Aber das ist zum Glück nie passiert. Ich möchte mein persönliches Leben nicht von der Zahl meiner Follower abhängig machen – trotzdem beginne ich manchmal, Dinge zu hinterfragen. Auch wenn man genau weiss, dass Instagram ein perfektes, kuratiertes Leben zeigt und es hinter den Kulissen anders aussieht, lässt man sich schnell von anderen beeindrucken.

Junge und erfolgreiche Blogger werden zudem oft kritisiert weil sie abgehoben wirken. Ich finde, bei grossen Aufträgen und tonnenweise lobender Kommentare hat schon ein Erwachsener Mühe, auf dem Boden zu bleiben – wie soll man das als Teenager hinkriegen?

 

Der Name Influencer wird nicht mehr so oft mit Stolz getragen. Wie ist es bei dir?

 

Stimmt, ich bevorzuge Bezeichnungen wie Fotografin, Künstlerin oder Selbst-inszeniererin. Ich fühle mich sonst ein bisschen wie ein Schmarotzer, der ein Produkt haben möchte und bitte gerne auch noch dafür bezahlt werden will. (lacht) Deswegen schreibe ich eigentlich keine Unternehmen an und reagiere höchstens auf Anfragen. Es gibt auch viele Influencer, die sich Followers erkaufen und so den Ruf des bereits sehr undurchsichtigen Marktes schädigen. Das ist schade, denn dieses Business hat als neue Mund zu Mund Propaganda eigentlich sehr viel Potential.

 

 

 

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