Bis jetzt unveröffentlichtes Interview mit Roger Federer von 2003

June 16, 2017

 

Geburtstsdatum: 8. August 1981

Geburtsort: Basel

Wohnort: Bottmingen (BL)

Grösse: 185 cm

Gewicht: 80 kg

Spiel: Rechtshänder

Profi seit: 1998

ATP-Entry-Ranking: Nr. 2

Roger Federer hat in seiner bisherigen Karriere 11 grosse Turniere gewonnen, (davon sieben in 2003) und im Jahre 2003 ein Preisgeld von 4'000'680 Dollar erzielt.

 

 

                                                 Originalbild vom Interview 2003

 

 

Wie bist Du zu diesem Sport gekommen und wie alt warst Du?

Durch meine Eltern bin ich auf den Tennissport gekommen. Während Sie jedes Wochenende Mix-Doppel gespielt haben, habe ich im Alter von drei Jahren gegen eine Tenniswand gespielt. 

Was waren Deine ersten Erfolge?

Mein erster Erfolg war der Zentralmeisterschafts-Sieg im Alter von 12 Jahren. Danach kamen die Schweizermeisterschaften, dort hatte ich die Chance, mich mit den Besten zu messen. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich das Potential zu einem guten Tennisspieler habe. Mit ca. 14 Jahren begannen dann die internationalen Turniere, was sehr spannend war. Ich hätte jedoch nie gedacht, dass ich so gut sein werde!

Wer hat Dein Talent entdeckt?

Die Person, die mich am meisten unterstützt hat und der ich wahrscheinlich alles zu verdanken habe, ist Peter Carter. Ich habe mit Ihm schon in Basel trainiert. Anschliessend ging ich mit 14 Jahren nach Equiblan und habe dort mit Christoph Reiss trainiert und Pierre Paganini war dort Cheftrainer (P. Paganini war sein damaliger Konditionstrainer). Nach dieser Zeit bin ich mit Peter Lundgren zusammen gekommen (aktueller Trainer).

Wer war Dein Vorbild?

Mein erstes grosses Vorbild war Boris Becker. Doch dann sagten mir alle, dass Stefan Edberg viel besser spiele und so wurde er zu meinem Idol. Später war es Pete Sampras.

Konntest Du Training, Turniere und Schule unter einen Hut bringen?

Ehrlich gesagt, war es eine sehr schwere Zeit für mich, da ich nicht gerne in die Schule ging. Aber trotzdem habe ich die Schule erfolgreich abgeschlossen. Mit 14 Jahren ging ich dann auf eine französiche Schule in Equiblan. Dies war zu Beginn sehr schwer. Mit 16 Jahren spürte ich, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Ich war immer gereizt, da dass Tennisspiel zu kurz kam und musste mich dann entscheiden. Zu Beginn habe ich probiert, einen Fernkurs zu machen, doch auch dieser wurde zu viel. 

Glückerlicherweise war es die richtige Entscheidung! 

Mein Fazit: um Schule und professioneller Tennissport gemeinsam zu betreiben, muss man sehr intelligent sein. Als meine Eltern sahen, dass das Potential für eine Tenniskarriere vorhanden ist, haben sie mich unterstützt. Sie haben jedoch immer gesagt, wenn ich im Alter von 21 Jahre nicht weiter komme, dass ich dann wieder zurück in die Schule muss. 

Haben Dich deine Eltern auf Deinem Weg unterstützt?

Meine Eltern haben mich in erster Linie finanziell unterstützt. Dann mussten sie für mich viel Zeit aufwenden, um mich von Turnier zu Turnier zu fahren - das eine Wochenende mein Vater, das Nächste meine Mutter. Das Ganze wurde immer aufwendiger, denn zu Beginn war es regional, dann in der Zentralschweiz und danach in der ganzen Schweiz. Als es dann international wurde, begleiteten mich die Swiss Coaches. Meine Eltern haben mir vor allem geholfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, da ich noch recht jung war.

Was für Erfahrungen hast Du zu Beginn gemacht betreffend Turniere, Training und Reisen?

Mit 17 Jahren war ich der jüngste Spieler in den Top-100. Ich bin froh, dass ich mich nicht lange mit kleinen Turnieren herumschlagen musste. Dies hat auch mit sich gebracht, dass ich in jungen Jahren meine Familie und meine Freunde sehr selten gesehen habe - das war nicht immer leicht für mich. Dafür konnte ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

Mit welchem Alter bist du in die ATP aufgenommen worden?

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich in Biel meinen ersten ATP-Spieler geschlagen habe und zwar war mein Gegner ein Japaner, der in der Welt so ca. die Nummer 1000 war. Es war sehr spannend für mich, da ich zu jener Zeit R1 war. Ich war circa 15 Jahre alt, als ich an einem Swiss-Satellite sechster wurde und somit meinen ersten ATP-Punkt ergattert habe - dies war der automatische Eintritt in die ATP.

Wie sieht Deine Matchvorbereitung aus und wie motivierst Du dich? Wie ernährst Du dich? Verfolgst Du ein Ritual oder bist Du abergläubisch?

Ich schaue, dass ich möglichst wenig abergläubisch bin, aber ich achte z.B. darauf, dass ich nicht zu oft auf die Linien stehe. Ansonsten bereite ich mich ganz normal auf einen Match vor: Schläger ready machen, Sponsoren Logos befestigen, ziehe meine Socken und Schuhe an, achte dabei auf Blasen und dass ich von allem genug dabei habe.

Ich muss mich eigentlich nicht motivieren, da die Motivation automatisch vor einem Match da ist. Logischerweise bin ich z.B. vor einem Wimbledon Finale viel nervöser als sonst.

Der Kommentar des Ernährungsberaters: jetzt bist Du schon die Nummer 13 der Welt, was soll ich Dir jetzt noch sagen? Das Du nur noch 10 Gummibärchen essen darfst und maximal eine Cola trinken... Vor einem Match esse ich oft eine Pasta, schaue, dass ich einen Tag vorher kein rotes Fleisch esse und keine Süssigkeiten im Übermass.

Wie gehst Du mit einer Niederlage um?

Eine Niederlage stimmt mich natürlich traurig, aber ich verdaue sie sehr schnell, was ein grosser Vorteil ist. Es ist jedoch wichtig, dass man einen Match analysiert und daraus seine Schlüsse zieht.

 

Wie gehst Du mit dem Ruhm um?

Ein Vorteil war, dass der Ruhm Schritt für Schritt kam, so konnte ich mich gut daran gewöhnen - mit dem ersten Turniersieg, dem Sieg gegen Sampras, mit den ersten Davis-Cup Erfolgen und dem ersten Master-Serious Sieg. Nach dem Wimbledon Sieg ist das Ganze dann explodiert und jetzt kennt mich so gut wie jeder in der Schweiz! Auch im Ausland nimmt die Popularität stark zu. 

Es ist jedoch trotzdem komisch, wenn man in der Stadt unterwegs ist und jeder Zweite einem kennt. Ich gehe mittlerweilen nicht mehr auf grosse öffentliche Plätze, aber probiere mich trotzdem nicht einschränken zu lassen. Da ich keine Berührungsängste habe, klappt es ganz gut. 

Was sind Deine Ziele in nächster Zukunft?

Ich möchte unbedingt die Nummer 1 der Welt werden. Wahrscheinlich reicht es dieses Jahr nicht mehr dazu, aber es war trotzdem eine super Saison. Desweiteren möchte ich noch mehr Titel gewinnen, vor allem das Turnier in Basel und meine Erfolge geniessen.

Kannst Du dir jetzt schon ein Leben nach Deiner Tenniskarriere vorstellen? Gibt es vielleicht schon Pläne?

Es ist schwer für mich, mir jetzt schon ein Leben nach dem Tennisspielen vorzustellen. An Familie und Kinder denke ich noch nicht. Vielleicht werde ich Tennis-Coach oder Davis-Cup-Captain oder sonst etwas im Swiss-Tennis-Verband, jedoch werde ich kaum einem "normalen" Schreibtisch-Beruf nach gehen.

Ich hoffe, dass bis zu diesem Zeitpunkt mein Parfüm noch existiert und grossen Absatz findet.

 

 

 

 

 

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